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Schleppende Aufarbeitung des Missbrauchs durch katholische Geistliche

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Zuletzt aktualisiert von Atheist Steinbrenner am 11. November 2018 - 8:18

Am 26. Oktober 2018 erstatteten 6 renommierte Juraprofessoren Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs bei den für die 27 katholischen Diözesen zuständigen Staatsanwaltschaften. Das Institut für Weltanschauungsrecht ifw berichtet

Vorausgegangen war eine von der katholischen Kirche in Auftrag gegebene Studie zum Kindsmissbrauch durch männliche Kleriker.

In dieser Studie wurde eine Vielzahl an Missbrauchsfällen gezählt, zu denen bis dahin keine Ermittlungen aufgenommen wurden.

Der Bericht des Donaukurrier zu diesen Strafanzeigen läßt die für die Ernsthaftigkeit der Vorwürfe angemessene Investigativität missen. Er verpasst in den Interviews mit den zuständigen Staatsanwaltschaften deren bisherige und vermutlich auch fortdauernde Zurückhaltung herauszuarbeiten und zu problematisieren, welche letztlich erst den Anlass für die flächendeckenden Strafanzeigen gab.

Ein Mitglied des Bund für Geistesfreiheit äußert sich dazu in einem Leserbrief an den Donaukurrier wie folgt:

"Aufarbeitung anschieben/ Vorermittlungen nach Anzeige von Jura Professoren auch in der Region." Das klingt erst mal gut. Im Artikel wird das dann vom Artikelschreiber Horst Richter so dargestellt, dass die Staatsanwaltschaften in Ingolstadt/ Pfaffenhofen, Regensburg und Augsburg das Ganze selbstverständlich im Griff hätten. Wörtlich „Wir haben schon deutlich vor Bekanntwerden der Studie reagiert." Das ist eben nicht so. Bislang haben die Staatsanwaltschaften lediglich auf gezielte Anzeigen reagiert.

Laut kanonischem Recht - welches die kath. Missbrauchskirche über das jeweilige Staatsrecht stellt - müssen alle Missbrauchsfälle bei den deutschen Bischöfen gemeldet werden.

Bis 2010 haben die Bischöfe das aber praktisch nie der Staatsanwaltschaft gemeldet. Und die deutschen Bischöfe müssen das dann an die sog. Glaubenskongregation melden (vormals Heiliges Offizium und davor die römische Inquisition) Der deutsche Papst Benedikt war ca. 23 Jahre lang als dritter Mann im Vatikan Präfekt der Glaubenskongregation.

Alle Missbrauchsfälle, auch weit vor 2010 – liegen also bei dem jeweiligen Bischof fein säuberlich notiert vor. Die Staatsanwaltschaften hätten es hier ganz besonders einfach, indem diese die bischöflichen Akten gezielt beschlagnahmen. Davon war aber bislang noch nie etwas zu lesen. Es geht hier nicht um die bereits bekannten Fälle.

Letztlich steht durch die Zurückhaltung der Staatsanwaltschaften nicht weniger auf dem Spiel als das Vertrauen vieler Menschen in den Rechtsstaat.