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Ein Wort gegen den progressiven Kulturrelativismus

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Zuletzt aktualisiert von Atheist Steinbrenner am 26. Oktober 2018 - 3:18

Erwiderung gegen die Ablehnung von Verschleierungsverboten durch den UN-Menschenrechtsausschuss  

Ein Kommentar von Atheist Steinbrenner

Beim Thema Verschleierung ziehen Progressive, die einem Kulturrelativismus das Wort reden dem Alles gleichviel gilt, egal wie Menschenfreundlich oder Menschenverachtend es ist, und Reaktionäre die an der Ungleichbehandlung von Menschen festhalten in dieselbe Richtung.

Der Unterschied ist, dass die Reaktionären hierbei leider mehr Rückgrat haben, da Sie eine Entscheidung getroffen haben die Sie für richtig halten und versuchen diese konsequent durchzusetzen.

Während die Progressiven schon im ersten Schritt versagen, indem sie nicht den Mut haben eine Entscheidung zu treffen, und damit auch nichts konsequent vertreten, sondern stattdessen jedem der nur vehement genug auftritt leichtfertig einräumen, dass seine Position gleichberechtigt sei. - Knabenbeschneidung, Kinderehe, einseitiges Verschleierungsgebot für Frauen.

"Was ich mir denk und tu, das trau ich auch dem anderen zu."

Das Verschleierungsgebot ist selbst nach Lesart von Männern die es fordern, aufgrund der nicht vorhandenen Selbstdisziplin der Männer zur Prävention sexueller Übergriffe notwendig. --- In einer Gegenwelt mit Matriarchat müssten möglicherweise Männer geblendet werden oder müssten in der Öffentlichkeit eine Augenbinde tragen um nicht zu Triebtätern zu werden. --- Da beide Konzepte nicht ohne eine massive Einschränkung des einen oder des anderen Geschlechts auskommen ist keiner von beiden Ansätzen überzeugend. Unsere europäische Lösung der Selbstdisziplinierung, der Selbstkontrolle der eigenen Triebhaftigkeit, setzt an der Ursache an und erlaubt fortgeschrittene Kulturerrungenschaften wie gemischtgeschlechtliche Sauna oder FKK.

Kulturelle Lösungen die nicht ohne die Unterdrückung und Bevormundung eines Teils der Bevölkerung auskommen, sind meiner Meinung nach eben NICHT gleichwertig, sind NICHT zu akzeptieren, sind NICHT zu tolerieren, wenn wir national bzw. europäisch bereits Lösungen haben die ohne eine solche Diskriminierung auskommen.

Auch halte ich es NICHT, wie Progressive es tun, für Kulturimperialismus, wenn Europäer in demokratischer Selbstbestimmung an Lösungen festhalten, die weiterentwickelt sind, als die Lösungen Broze- und Eisenzeitlicher Religionen mit denen manche Zuwanderer aus anderen Kulturen sozialisiert wurden.

Ist es nicht vielmehr auch Kulturimperialismus, wenn eine in Teilen gewaltbereite laute Minderheit - die global eben keine Minderheit ist, sondern eine Gruppe die sich auf die zweitgrößte Weltreligion beruft - versucht ihre mit hiesigen Errungenschaften im Konflikt stehende Kultur in Europa als ubiquitär Legitim und im Fernziel womöglich als Allgemeinverbindlich zu etablieren?

Kulturimperialismus im Sinne eines abzulehnenden Übergriffs ist eben nicht nur die Oktroyierung aufgeklärter Standards auf nicht aufgeklärte Staaten, sondern auch der Versuch der Oktroyierung voraufklärerischen Denkens auf Staaten in denen bereits eine Aufklärung stattfand bzw. im Prozess ist.

Selbst ein Kompromiss im Sinne eines aufeinander Zugehens erscheint mir hier nicht akzeptabel, wenn dieser darin besteht, sich auf niedrigere weniger aufgeklärte Standards einzulassen.

Völkerrechtlich favorisiere ich die Position von John Rawls der in seinem Buch das Recht der Völker 8 Prinzipien aufgestellt hat:

  1.  "Peoples (as organized by their government) are free and independent, and their freedom and independence is to be respected by other peoples."
  2.  "Peoples are equal and parties to their own agreements."
  3.  "Peoples have the right of self-defense but no right to war."
  4.  "Peoples are to observe a duty of non-intervention."
  5.  "Peoples are to observe treaties and undertakings."
  6.  "Peoples are to observe certain specified restrictions on the conduct of war (assumed to be in self-defense)."
  7.  "Peoples are to honor human rights."
  8.  "Peoples have a duty to assist other peoples living under unfavorable conditions that prevent their having a just or decent political and social regime."

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Law_of_Peoples

Der Kulturrelativismus ist darin im dialektischen Sinne aufgehoben.

Einerseits indem Völker in Form von Nationalstaaten in Ihrem Sosein respektiert werden und man nicht versucht die eigenen Standards andernorts zu erzwingen.

Andererseits indem andere Kulturen andernorts ganz andere Standards haben dürfen, die einem zwar nicht gefallen müssen, die aber ebenfalls zu respektieren sind und in die nicht durch Krieg zur Oktroyierung eigener Standards eingegriffen werden darf, wobei die Verteidigung der eigenen Standards gegen die Angriffe anderer durchaus zulässig ist.

Nun definiert die Freiheitlich demokratische Grundordnung, unsere Grundrechte im Grundgesetz, sowie die allgemeine Erklärung der Menschenrechte, sicherlich keine Monokultur, und erlaubt eine Vielzahl an Lebensentwürfen und Weltanschauungen. Gleichzeitig lese ich diese kodifizierten Grundlagen unserer Gesellschaft aber nicht als eine Rechtsgrundlage um die Abschaffung eben dieser Grundlagen durchzusetzen, was in diesen Normen selbst auch explizit zum Ausdruck gebracht wird

 

Art 18 GG

"Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Abs. 1), die Lehrfreiheit (Artikel 5 Abs. 3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8), die Vereinigungsfreiheit (Artikel 9), das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das Eigentum (Artikel 14) oder das Asylrecht (Artikel 16a) zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen."

 

Artikel 30 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

"Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, daß sie für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen, welche die Beseitigung der in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat."

 

Der Kulturrelativismus der Progressiven, dass überall jede Kultur gleichwertig sei, ist also eine Fehlleistung die durch die Normen wie Grundgesetz und Erklärung der Menschenrechte auf die diese sich so gerne berufen leider nicht gedeckt ist.

 

siehe auch: